Die Geschichte von der großen Platane oder was Künstler:innen so alles in Szene setzen

Von Mitte April bis Ende Juni 2026 zogen die vier Künstler:innen Natyrë Elezi, David Biegl & Rasmus Exo und Florent Souly in die Dreiersiedlung in Ternitz/NÖ. Sie hatten an dem Open Call für die Kunstresidenzen teilgenommen, die Dank des vom Klima- und Energiefonds geförderten Projekts „Kooperativ Ternitz“ ausgeschrieben werden konnten – und mit ihnen kam neues Leben in den Freiraum der ehemaligen Arbeiter:innen-Siedlung. Es ist sehr viel passiert in diesen zehn Wochen – sozial, künstlerisch und auch räumlich. 

Hier ein paar kleine Beispiele für Interventionen, die in ihrer Summe den öffentlichen Raum in der Dreiersiedlung nachhaltig bunter wirken und die Bewohner:innen mitgestalten und zusammenkommen ließen. Als Inspiration und ein wenig auch als Anleitung: 

Die große Platane auf der Wiese neben dem Volkshaus umarmt zwei gut besuchte Heurigengarnituren und eine als kleine Bühne genutzte Holzkonstruktion von oben. Es ist der 27. Juni und der bislang heißeste Tag des Jahres, und dennoch lässt es sich hier im Schatten gut aushalten bei der Finissage der Künstler:innen-Residenzen. 

eine Gruppe von Menschen sitzen zusammen im Schatten in einem Park

Kaffee schmiegt sich an Regenrinne

Anstatt auffälligste Details hervorzuheben, empfiehlt es sich von Zeit zu Zeit, die unauffälligen Ecken zu suchen. Am Volkshaus der Dreiersiedlung wurde eine unscheinbare Regenrinne zur Beschilderung für das Pop-up Café Nobel, das die Künstler:innen nach Lust und Laune für lokale Gäste öffneten. 

Eine Kunst Installation aus Holz

Ein selbstgebauter Tisch aus Holzresten steht vor dem Café Nobel (immerhin sind wir in der Nobelgasse) – ein Fenster, das als Durchreiche zur Küche des Volkshauses umfunktioniert wurde. 

Eine gruppe von Personen die zusammen am Tisch sitzen

Manchmal bringen kleine Irritationen im gewohnten Sehbild die größten Effekte. So kann das Anbringen einer neuen Fahne an den alten Fahnenmast die Fantasie anregen und dem öffentlichen Raum einen neuen Anstrich geben: 

Eine Weiße Fahne

Nicht jede:r hebt die Überreste einer vergangenen Baustruktur auf, aber hat man das Glück drüberzustolpern, sollten ein paar Andenken gerettet werden. Hier bilden die Türen des frisch abgerissenen Hauses ein temporäres (Karten)haus. 

Eine Kunst Installation auf Holz

Im besten Fall sind es immer Menschen, die den öffentlichen Raum beleben: Die lockt man zum Beispiel mit Feiern, Essen, Festen und Musik hinaus: 

Für Leute, die den Wohnraum ungern verlassen, aber kulinarisch durchaus interessiert sind, könnte auch diese Intervention spannend sein: Hier wurde der Grundriss der Wohnung auf die Freifläche übertragen und an die Stelle der Küchenzeile ein Solarkocher positioniert. 

Zu sehen gibt es auf der alten Asphaltbahn – außer den hervorragenden Kirschen, um die sich ein Nachbar liebevoll kümmert – normalerweise wenig. Während des Abschlussfestes konnten Bewohner:innen und Gäste allerdings einen Blick durch das Schlüsselloch einer Wohnungstür werfen und bekamen Einblick in Szenen des – scheinbar – unbeobachteten Alltags ihres temporären Nachbarn (David Biegl). 

Übrigens: Die Früchte vom alten und vielfältigen Baumbestand in der Dreiersiedlung wurden gemeinsam geerntet und unter anderem zu Kirschsaft verarbeitet. Die Süße liegt manchmal in der Nachbarschaft.  

Ein paar Wimpelketten, ein Schachbrett, ein gemeinsames Vergnügen! 

Für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung! 

Künstler:innen

Natyrë Elezi

David Biegl und Rasmus Exo

Florent Souly

FOTOCREDITS ALLE: Danny Nedkova