Unter dem Schwerpunkt Begrünung, Beschattung und Kühlung des öffentlichen Raums begleitet die Caritas Stadtteilarbeit als Teil des „Grätzllabor Rudolfsheim-Fünfhaus“-Teams Projekte, die im 15. Wiener Gemeindebezirk Mitgestaltung und Nachhaltigkeit fördern. Im kleinsten, jüngsten und am dichtesten besiedelten Bezirk außerhalb des Gürtels leben rund 76.000 Menschen, über 40% davon sind Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft (Quelle: Stadt Wien - Wirtschaft, Arbeit und Statistik).
Ein Großteil der Fläche des Bezirks besteht aus verbauter Fläche und Verkehrsflächen. Wenig Platz für Menschen, um sich konsumfrei aufzuhalten und gemütlich zu verweilen. Das Grätzllabor begleitet engagierte Menschen beim Umsetzen ihrer Ideen für Klimaanpassung und Nachhaltigkeit, wie zum Beispiel die Projektgruppe „Platz für dich“. Die Engagierten setzen sich dafür ein, dass der öffentliche Raum den Bedürfnissen aller Bewohner:innen gerecht wird. Durch Beteiligungsprojekte wie „Unsere Meiselstraße“ oder beim Schulvorplatz der Reichsapfelgasse machen wir verschiedenste Stimmen und Ideen hör- und sichtbar. Denn nicht nur die lautesten Stimmen haben ein Recht auf Platz!
Durch Formate wie Nachbarschaftscafés, Spaziergänge, Workshops, Radtouren oder Straßenfeste kann ein breites Spektrum an Perspektiven eingesammelt werden. Die Meiselstraße wurde zum Beispiel voriges Jahr zu einer „Fahrradstraße“ umgestaltet. Im Vorfeld bot das Grätzllabor den Anrainer:innen zahlreiche Möglichkeiten, ihre Ideen und Anliegen einzubringen. Ein Spaziergang mit Kindern, die sich bildlich die „Forscher:innenbrille“ aufsetzten, eine Tour mit einem Rollstuhl-Nutzer oder auch das Straßenfest mit Live-Karaoke sind in guter Erinnerung, denn Beteiligung hat so viele Gesichter wie der öffentliche Raum Nutzungsmöglichkeiten. Vor kurzem wurde das Projekt sogar mit dem „VCÖ-Mobilitätspreis Wien“ ausgezeichnet, was uns sehr stolz macht!
Auch die Kooperation mit der Schule Reichsapfelgasse ist ein Beispiel für vielfältige Beteiligung im öffentlichen Raum. Bei einem gemeinsamen Austausch brachten Anrainer:innen und Schulkinder viele Ideen zur zukünftigen Nutzung des öffentlichen Raums vor dem Schulgebäude ein. Im Mittelpunkt standen mehr Grün und Schatten, sichere Räume für Bewegung und Spiel sowie mehr Farbe und Kunst. Vorgeschlagen wurden unter anderem Bäume, Pflanzentröge, eine gemeinsame Naschhecke, Bodenmalereien und temporäre Spielstraßen. Gleichzeitig waren den Bewohner:innen Ruhe, Sauberkeit und Sicherheit besonders wichtig. All das bildet nun eine Grundlage für gemeinsame Projekte und weitere Schritte im Grätzl.
Das Grätzllabor Highlight dieses Sommers: Jeden Dienstag kommen seit Juni Nachbar:innen am Leopold-Mistinger-Platz zusammen, um gemeinsam die Bäume zu gießen. Aus einer kleinen Initiative ist eine regelmäßige und beliebte Nachbarschaftsaktion geworden, die nicht nur den Stadtbäumen guttut, sondern auch Menschen verbindet. Besonders schön: Die Gießaktion wurde sogar vom Wiener TV-Sender W24 begleitet.
Fotocredit: Grätzllabor 1150