Lichtturm Donauinsel, Wien

Oase statt Konsumzwang: Warum wir öffentliche Räume wie die Donauinsel dringender brauchen als je zuvor

Ein Kommentar unserer Kollegin Elke Losert 
In vielen Städten weltweit zeigt sich derselbe Trend: Freizeit wird immer stärker kommerzialisiert. Wer sich entspannen möchte, muss oft tief in die Tasche greifen. Doch es gibt sie noch – die Orte, an denen wir einfach nur sein dürfen. Räume wie die Wiener Donauinsel sind keine Selbstverständlichkeit. Sie sind das Fundament unserer öffentlichen Daseinsvorsorge und tragen maßgeblich zu unserer Gesundheit, der sozialen Teilhabe und unserer Lebensqualität bei.

Ein unbezahlbares Privileg an heißen Tagen
Der vergangene Sommer hat uns allen eindringlich vor Augen geführt, wie überlebenswichtig solche Orte sind. Mit Rekordtemperaturen von über 40 Grad Celsius erlebte Wien eine außergewöhnliche Hitzewelle. In dieser glühenden Zeit habe ich die Donauinsel als unmittelbaren Naherholungsraum zwischen meinem Arbeitsplatz und meinem Zuhause noch einmal ganz neu schätzen gelernt. Nach einem langen, heißen Arbeitstag einfach ins kühle Wasser springen zu können – ohne Eintritt, ohne Konsumzwang– ist ein Privileg von unschätzbarem Wert.

Genau hier zeigt sich, was gelungener öffentlicher Raum leisten kann: Er schafft echte Begegnung, Erholung und Freiheit für alle Menschen – völlig unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder sozialem Status.

Das lebendige Miteinander am Pier 22
Ein besonders schönes Beispiel für dieses Prinzip ist der Pier 22. Dort hat sich in den letzten Jahren ein lebendiger Treffpunkt entwickelt, der von den unterschiedlichsten Menschen belebt wird. Im Outdoor-Fitnessbereich trainieren Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senior*innen ganz selbstverständlich Seite an Seite. Die einen kommen zum Schwimmen oder Auspowern, die anderen zum Lesen oder einfach, um den Abend entspannt am Wasser ausklingen zu lassen.

Was mich dabei immer wieder tief beeindruckt: Wie reibungslos aus meiner Sicht dieses Miteinander funktioniert. Der Raum bietet Platz für völlig unterschiedliche Bedürfnisse, ohne gröbere Konflikte.

Mehr als nur Natur: Ein Ort, der Gemeinschaft stiftet
Für mich ist die Donauinsel deshalb weit mehr als ein reines Naherholungsgebiet. Sie ist ein lebender Beweis dafür, wie öffentlicher Raum Gemeinschaft stiften kann, wenn er konsequent allen Menschen offensteht. Gute Planung und Gestaltung können dabei viel mehr bewirken, als nur attraktive Orte zu schaffen: Sie können dazu beitragen, dass wir von vornherein achtsamer mit dem öffentlichen Raum – und auch miteinander – umgehen. 

Dieses Miteinander funktioniert besonders gut, wenn unterschiedliche Bedürfnisse und Zielgruppen bereits in der Planung mitgedacht und einbezogen werden. Öffentlicher Raum ist kein Selbstläufer. Er braucht Menschen, die ihn gestalten, weiterentwickeln und sich um ihn kümmern. 

Vielleicht liegt genau darin seine größte Stärke: Wenn wir Räume schaffen, die allen gehören und in denen sich alle wiederfinden können, entsteht auch ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass wir gemeinsam Verantwortung für sie tragen.

Tipp: Wer die Ausstellung „die donauinsel. 21 km freiraum“ im Wien Museum versäumt hat, findet auf der Begleitwebsite interessante Infos und tolle Fotos.

Fotocredit:  Pier Elke Losert Caritas Stadtteilarbeit