„Geschichte wird von Siegern* geschrieben.“ So sagt es ein bekannter Ausspruch. Diejenigen, die nicht kämpfen wollen, dürfen oder können, jene, die weniger Glück hatten oder deren Siege für Mächtige keine Bedeutung haben: Sie werden zum Schweigen gezwungen und ihre Geschichte(n) verschwinden – unwiederbringlich. Und wir alle verlieren mit: Ihre Perspektiven, ihr Wissen.
Umso wichtiger ist es, dass diejenigen, die sich Gehör verschaffen können, nicht nur die eigenen Geschichten oder die der Sieger*innen erzählen. Sondern gerade Menschen zu Wort kommen lassen, die es von sich aus nicht können oder nicht „dürfen“.
Was wir tun (können)
Die Caritas Stadtteilarbeit ist mit vielen verschiedenen Menschen im Gespräch. Wir hören ihnen zu, weil sie es sind, deren Lebensumfelder wir mitgestalten dürfen. Egal, wie gut sie Deutsch sprechen oder wie viele Ressourcen sie haben. Doch mindestens genauso wichtig ist es, ihnen dabei zu helfen, ihre Stimme hörbar zu machen: Indem wir sie ermutigen, sich in Beteiligungsprozessen einzubringen. Indem wir ihre Perspektiven bei Entscheidungsträger*innen aufzeigen. Indem wir ihnen Plattformen geben, um selbst zu Wort zu kommen: Zum Beispiel bei Veranstaltungen, bei Bewohner*innen-Treffen oder bei Mitbestimmungsangeboten. Wir sind nicht nur Fürsprecher*innen, sondern lassen Menschen selbst sprechen. Nicht alle wollen oder können das. Doch wenn es möglich ist, ermöglichen wir es, dass sie es tun.
Es ist schön zu erleben, wenn Kinder einige Wochen nach der Bewohner*innenversammlung rückmelden, dass sie sich viel wohler in der Nachbarschaft fühlen, weil sie ihre Sicht dargestellt haben und gehört wurden. Es freut uns auch besonders, wenn Personen an Diskussionsformaten teilhaben können, selbst wenn sie die Sprache noch nicht fließend sprechen.
Wir alle haben das Recht, zu sprechen und angehört zu werden. Es wird nur zu oft ignoriert. Daher: Unterstützt Menschen dabei, für sich zu sprechen, wenn sie es können und wollen. Ermutigt sie. Und wenn es nicht anders geht und gewünscht ist: Sprecht auch für sie. Wir sollten uns alle viel mehr Geschichten erzählen.
Kommentar von Sherko-Lew Asinger