SozialEG – Strom gerecht teilen

Ja, es gibt sie, die guten Nachrichten: Immer mehr Menschen in Österreich wollen aus ökologischen und/oder finanziellen Motiven selbstbestimmt und aktiv die Energiewende mitgestalten. Um selbst Strom – die gängigste Form ist derzeit mittels Photovoltaik-Anlagen – produzieren zu können, braucht es neben einem Startbudget aber auch die räumliche Möglichkeit. Einmal in Betrieb wird je nach Standort und Jahreszeit oft auch mehr Strom produziert, als selbst benötigt wird. Seit einiger Zeit gibt es nun die Möglichkeit, den Überschuss in Form von Erneuerbaren Energiegemeinschaften (EEG) mit Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft bzw. in Bürger*innenenergiegemeinschaft (BEG) über weitere Distanzen zu teilen. Denn nicht alle verfügen über die nötigen Voraussetzungen, selbst Strom zu erzeugen. Im Forschungsprojekt „SozialEG – Strom gerecht teilen“ arbeitet das interdisziplinäre Team an den sozialen und gerechten Potentialen des Teilens. Mit- und Nachmachen erwünscht … 

Klimagerechtigkeit und das Recht auf Teilhabe
Es ist schwierig zu definieren, was gerecht ist. Es ist relativ einfach festzustellen, was ungerecht und unausgewogen ist. Beispielsweise, dass die reichsten 10 % der österreichischen Haushalte rund viermal so viel CO2-Emissionen verursachen als die ärmsten 10 %. (https://klima.greenpeace.at/blog-klimaungerechtigkeit-in-oesterreich/). Einkommensschwache Haushalte sind allerdings überdurchschnittlich häufig von Klimakrisenfolgen wie Hitze und Luftverschmutzung oder von der Bepreisung der Umweltauswirkungen betroffen. Und sie sind selbst oft energiearm. Für sie ist die Bewältigung eines gelingenden Alltags eine Herausforderung: Eine schlecht beheizte Wohnung im Winter, Energiekostenrückstände, Schimmel und feuchte Wohnräume, kein Schutz vor Hitze oder eingeschränkter Zugang zu digitalen Angeboten in den eigenen vier Wänden führen zu gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Notlagen.

Die ökologische Wende muss mit lebensweltlichen Verbesserungen verbunden sein – dafür braucht es wohlfahrtsstaatliche Maßnahmen, sozialverträgliche Reformen und eine aktive Zivilgesellschaft, die mutige Projekte wie dieses - die sozial gerechte Energiegemeinschaft - umsetzt. Neben dem Beitrag zur Energiewende durch den Bezug von lokal produziertem Strom aus erneuerbaren Quellen und einer entsprechenden Kostenersparnis haben Energiegemeinschaften nämlich noch andere Vorteile: Sie fördern neue Formen der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit und in diesem partizipativ angelegten Projekt auch eine Ausverhandlung von Fragen der sozialen Gerechtigkeit mit Betroffenen und Expert*innen zugleich.

Gemeinsame Arbeit an einer sozial gerechten Energiegemeinschaft. Sie auch?
Das auf drei Jahre (05/2023-04/2026) angesetzte und von der FFG geförderte Forschungsprojekt setzt sich zum Ziel, Betriebsmodelle für eine sozial gerechte Energiegemeinschaft zu erarbeiten und zwei oder mehr davon gemeinsam mit (gemeinnützigen) Bauträgern, Gemeinden oder anderen Trägerorganisationen bzw. Privatpersonen umzusetzen.

Damit die Projektinhalte erarbeitet werden können, ist eine intensive transdisziplinäre Zusammenarbeit mehrerer Partner*innen notwendig. Die Projektleitung 4ward Energy Research GmbH übernimmt dabei Entwicklung und Überprüfung der Betriebsmodelle, die Energiezukunft Niederösterreich unterstützt mit der Expertise und Erfahrung aus der Praxis und führt schließlich die Umsetzung der Energiegemeinschaften und deren Betreuung durch. Das FH Technikum Wien und wir, die Caritas Stadtteilarbeit, planen gemeinsam die Maßnahmen zur Einbindung der Mitglieder der Energiegemeinschaft und widmen uns der entscheidenden Frage, was denn eigentlich „sozial gerecht“ ist.

Sie wohnen in Wien oder Niederösterreich und haben Interesse, Teil einer sozial gerechten Energiegemeinschaft zu werden? Im nächsten Newsletter im Dezember 2023 wird es die Möglichkeit zur Interessensbekundung für Ihre Teilnahme geben – wir freuen uns darauf.

Zum Weiterlesen: Hilfreiche und gute aufbereitete Informationen rund um das Thema Energiegemeinschaften erhalten sie auf der Website der Koordinierungsstelle für Energiegemeinschaften.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „Leuchttürme für resiliente Städte 2040“ durchgeführt.

Quelle und © Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften im Klima- und Energiefonds